Es gibt diesen einen Moment im Radurlaub, den niemand auf Instagram zeigt: Du stehst zwischen Deich und Rapsfeld, die Sonne meint es gut, und der Akku zeigt einen Balken. Oder schlimmer, es macht Pffft, und dann ist Ruhe. Genau für diese zwei Momente habe ich diesen Beitrag geschrieben.
Ich bin die Ostseeküste in den letzten Jahren in Etappen abgeradelt und habe dabei gelernt, dass es an der Küste nicht an Rädern mangelt, sondern an Übersicht. Jeder Ort hat seine Verleiher, jede Kurverwaltung ihre eigene Liste, und die halbe Wahrheit steht in einem PDF, das seit zwei Jahren niemand mehr angefasst hat. Also habe ich zusammengetragen, was sich tatsächlich belegen lässt: Verleihstationen, Ladepunkte für den Akku, Werkstätten und die wenigen Schlauchautomaten, die es hier gibt. Wenn du erst noch überlegst, welche Etappe überhaupt zu dir passt, lies vorher meinen Einsteiger-Guide zum Ostseeküsten-Radweg.
Kurz gesagt
Räder bekommst du an der Ostsee fast überall, Akkustrom deutlich seltener, und einen Schlauch mitten in der Nacht nur an drei Orten. Wer mit E-Bike unterwegs ist, packt sein eigenes Ladegerät ein, denn die meisten Ladepunkte sind Steckdosen in Cafés und Tourist-Infos, keine Ladesäulen mit passendem Stecker. Kinderanhänger, Hundekörbe und Lastenräder gibt es an der ganzen Küste, aber immer nur in kleiner Stückzahl. Reservieren ist in der Hauptsaison keine Panikmache, sondern Alltag.
Alle Stationen auf einer Karte
Hier ist die ganze Küste auf einen Blick, von der Lübecker Bucht bis nach Ahlbeck. Über die Filter blendest du aus, was du gerade nicht brauchst. Wenn du wissen willst, wo der nächste Ladepunkt ist, lass einfach nur die grünen Punkte stehen.
Fahrrad-Infrastruktur an der Ostseeküste
193 geprüfte Stationen – tippe auf einen Typ, um ihn auszublenden. Noch einmal tippen holt ihn zurück.
Karte lädt erst mit deiner Zustimmung
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Dabei wird deine IP-Adresse an diese Anbieter übertragen – deshalb starten wir die Karte erst,
wenn du es erlaubst.
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Die ehrliche Antwort hängt an zwei Dingen: Jahreszeit und Sonderwunsch. Ein normales Tourenrad bekommst du im Mai an fast jeder Ecke spontan. Ein E-Bike in der zweiten Julihälfte, dazu ein Kinderanhänger, am besten noch für drei Tage am Stück? Das ist Planung. Die meisten Betriebe an der Küste sind kleine Familienunternehmen mit zehn bis vierzig Rädern, nicht Filialen einer Kette. Wenn davon fünf E-Bikes sind, sind fünf E-Bikes eben schnell weg.
Ein paar Häuser haben deshalb Modelle entwickelt, die das Problem umgehen. In Kühlungsborn bringt dir ein Anbieter die Räder abends an die Unterkunft und holt sie wieder ab, mit einem Zahlenschloss statt Schlüsselübergabe. In Kappeln gibt es eine Selbstbedienungsausleihe, die rund um die Uhr funktioniert. Und auf Usedom hängen die Stationen eines Verleihsystems an den Bahnhöfen der Usedomer Bäderbahn, was praktisch ist, wenn du ohnehin mit dem Zug anreist.
Familien, Hunde und schwere Sachen
Wer mit kleinen Kindern radelt, sucht nicht das schnellste Rad, sondern den passenden Anhänger. Der ist an der Ostsee erfreulich verbreitet, aber die Auswahl schwankt stark. Auf Rügen hat ein Verleih in Dranske vom Kinderrad über den Kindersitz bis zum Hundetransportrad und E-Lastenrad alles im Programm, was sich schieben und ziehen lässt. In Boltenhagen, Grömitz und Kellenhusen gibt es Häuser, die sich ausdrücklich auf Anhänger spezialisiert haben, inklusive Hundeanhänger und Bollerwagen.
Ein Detail, das ich unterschätzt hatte: Manche Verleiher geben Helm und Schloss kostenlos dazu, andere berechnen beides. Auf Poel liegt es beim kommunalen Tourismus-Service ohne Aufpreis dabei. Frag danach, bevor du unterschreibst, das sind schnell ein paar Euro pro Tag.
Was das Ganze kostet
Belastbare Preise sind erstaunlich schwer zu bekommen, weil viele Betriebe sie gar nicht veröffentlichen und die Saison stark hineinspielt. Zwei Zahlen kann ich belegen, weil die Anbieter sie selbst nennen: In Kappeln startet der Verleih bei fünf Euro pro Tag für ein einfaches Rad. Und das Mietradsystem rund um Kiel und die Schlei rechnet nach Zeit ab, mit einem Tagesdeckel im niedrigen zweistelligen Bereich. Alles andere bewegt sich erfahrungsgemäß darüber, besonders bei E-Bikes. Nimm die Zahlen als Größenordnung, nicht als Versprechen, und frag beim Betrieb nach.
Ostsee-ebike Akku laden-Pannenhilfe-Fahrrad mieten an der Ostsee-Verleih
Wo dein Akku wieder voll wird
Hier wird es interessant, weil sich zwei völlig verschiedene Dinge hinter demselben Wort verstecken. Wenn eine Gemeinde von einer E-Bike-Ladestation spricht, meint sie meistens eine von drei Sachen.
Die drei Arten von Ladepunkt
Erstens die echte Ladestation im Freien, frei zugänglich, oft mit abschließbaren Fächern, in die du Akku und Helm legst. Travemünde hat so eine an der Strandpromenade, solarbetrieben und kostenlos, mit sechs Fächern samt Steckdose und USB. Wer wissen will, wie so etwas aussieht, findet die Beschreibung beim Tourismus-Service Travemünde. Grömitz und Kellenhusen haben ähnliche Schränke am Tourismusbüro.
Zweitens der Gastro-Ladepunkt. Das ist eine Steckdose im Café, im Hofladen oder im Gasthof, die du während der Einkehr nutzen darfst. Fehmarn hat daraus ein ganzes Netz gemacht, das vom Hofcafé in Albertsdorf bis zum Alten Zollhaus an der Westspitze reicht. Der Charme: Du lädst genau dann, wenn du ohnehin Pause machst. Der Haken: Es ist eine Steckdose, kein Ladegerät.
Drittens die Tourist-Info, die während ihrer Öffnungszeiten laden lässt. Verlässlich, aber eben nur werktags und nicht abends.
Dein Ladegerät gehört ins Gepäck
Das ist der wichtigste Satz dieses Abschnitts, und er stammt nicht von mir, sondern aus dem offiziellen Radflyer des Tourismus-Service Fehmarn: Bei vielen der aufgeführten Anbieter kannst du auf Anfrage gerne eine Steckdose nutzen, benötigst dafür jedoch dein eigenes Ladegerät. Genau so ist es an der ganzen Küste. Ein Netzteil wiegt ein paar hundert Gramm und entscheidet darüber, ob eine Ladestation für dich existiert oder nicht.
In Mecklenburg-Vorpommern ist das Ladenetz anders organisiert als in Schleswig-Holstein: Dort haben sich Betriebe zu einem Partnernetz zusammengeschlossen, das unter anderem Hotels, Cafés und Manufakturen umfasst. Eine Übersicht führt das Portal Radfahrland MV. Ehrlich gesagt ist die Liste für die Planung nur bedingt brauchbar, weil oft die Straße fehlt. Die Adressen in meiner Karte habe ich deshalb einzeln nachgezogen.
Und eine Lücke gehört benannt: Zwischen Kühlungsborn und Rostock, also auf einem der beliebtesten Abschnitte überhaupt, ließ sich kein einziger öffentlicher Ladepartner belegen. Wer dort mit E-Bike unterwegs ist, plant den Strom über die Unterkunft oder über eine nette Einkehr.
Wenn unterwegs etwas kaputtgeht
Reparatursäulen, die überraschend viel können
Eine Reparatursäule ist ein Pfosten mit Werkzeug an Stahlseilen und einer Luftpumpe, kostenlos und meist rund um die Uhr zugänglich. Für lose Schrauben, verstellte Bremsen und platten Reifendruck ist das Gold wert. Grömitz hat ein ganzes Netz davon über den Ort verteilt, vom Seebrückenvorplatz bis zum Hof Klostersee; die Standorte stehen auf der Radseite der Gemeinde Grömitz.
Zwei Orte gehen noch weiter. In Heiligenhafen kombinieren die Stationen Werkzeug und Luftpumpe mit drei abschließbaren Ladefächern, du reparierst und lädst also am selben Pfosten. Und in Sierksdorf gibt es Schließfächer gegen einen Euro Pfand, was mit Gepäck am Rad ziemlich praktisch ist.
Schlauchautomaten sind selten
Jetzt die schlechte Nachricht. Von diesen Automaten, die rund um die Uhr Fahrradschläuche verkaufen, konnte ich an der gesamten deutschen Ostseeküste genau drei belegen: bei Connys Fahrradladen in Burg auf Fehmarn, bei Fahrrad Wittstock in Stralsund und am Radladen am Rosengarten in Greifswald. Der Fehmarner Automat hat zusätzlich eine kostenlose Druckluftstation daneben.
Drei Automaten auf rund vierhundert Kilometer Küste heißt im Klartext: Nimm einen Ersatzschlauch mit. Er kostet ein paar Euro, wiegt nichts und ist der Unterschied zwischen einer Pause und einem abgebrochenen Tag. Wer bei der Panne lieber jemanden anruft, findet über den ADFC Ansprechpartner und Hinweise zu Pannenhilfe und radfreundlichen Betrieben. Mehrere Verleiher an der Küste bieten außerdem einen eigenen Pannendienst an, teils kostenlos für ihre Mietkunden, etwa auf Fehmarn und auf Usedom.
Fähren und Bahn: die Radmitnahme
Sobald Inseln ins Spiel kommen, wird die Radmitnahme zum Planungsthema. Am strengsten ist es bei der Fahrt nach Hiddensee. Die Reederei sagt in ihren häufigen Fragen deutlich, dass Fahrräder ein eigenes Ticket brauchen und bei bereits bestätigter Zahlung nicht nachgebucht werden können. Das Deutschlandticket deckt das Rad nicht ab. E-Bikes fahren zum regulären Fahrradtarif, Kinderanhänger gelten als Kinderwagen und fahren kostenfrei mit, Laufräder ebenfalls, ein Kinderfahrrad dagegen kostet den vollen Preis.
Weil Hiddensee autofrei ist, lohnt hier eine ganz andere Überlegung: Lass das Rad drüben und leih dir eins auf der Insel. Die Gemeinde führt ein ausführliches Verzeichnis der Verleiher in Neuendorf, Vitte, Kloster und Grieben, nachzulesen beim Seebad Hiddensee. Elf Verleiher auf einer Insel von achtzehn Quadratkilometern, das ist eine Dichte, von der Festlandsorte träumen.
Bei der Bahn gilt: In den Regionalzügen entlang der Küste ist die Mitnahme meist unkompliziert, aber im Sommer wird es voll, und in den Fernverkehr musst du reservieren. Die aktuellen Bedingungen und Preise stehen bei der Deutschen Bahn. Praktisch ist die Kombination aus Bahn und Rad vor allem für Sternfahrten: hinfahren, eine Strecke radeln, zurückrollen lassen.
Die Küste von West nach Ost
Jetzt kommt die Liste. Sie ist nach Küstenabschnitten sortiert, von der Lübecker Bucht bis nach Usedom, und jede Zeile ist einzeln überprüft. Wo ein Betrieb eine eigene Website hat, ist sie verlinkt. Wo keine steht, gibt es keine belegbare, dann hilft nur der Anruf.
Ein Wort zur Auswahl: Ich habe alles weggelassen, was ich nicht sauber belegen konnte. Betriebe, deren Domain zum Verkauf steht, deren Adresse zwischen zwei Quellen springt oder die es gar nicht mehr gibt, stehen hier nicht drin, auch wenn Reiseportale sie noch führen. Lieber eine kürzere Liste, auf die du dich verlassen kannst.
Verleihsystem mit Stationen an den UBB-Bahnhöfen, PLUS-Stationen mit Kindersitz und Anhänger
Was mir beim Zusammentragen aufgefallen ist
Drei Dinge, die vielleicht auch deine Planung ändern. Erstens: Die Verleihdichte ist extrem ungleich verteilt. Hiddensee, Fehmarn und die Lübecker Bucht sind hervorragend versorgt, in Orth und Puttgarden dagegen fand ich keinen einzigen Verleih, und in Bad Doberan und Heiligendamm nur eine Werkstatt, keinen Verleiher. Wer dort ein Rad braucht, plant es vom Nachbarort aus.
Zweitens: Viele der kleinen Betriebe haben Websites, die technisch aus einer anderen Zeit stammen. Rund ein Drittel der Vermieterseiten war nur eingeschränkt erreichbar. Das sagt nichts über die Qualität der Räder, aber es heißt, dass ein Anruf oft schneller ist als eine E-Mail.
Drittens, und das fand ich am spannendsten: Die kommunalen Angebote sind besser, als ihr Ruf. Ladeschränke am Tourismusbüro, Reparatursäulen an der Promenade, Schließfächer am Fischerplatz, ein Radparkhaus am Bahnhof. Das sind alles Dinge, die keine Werbung machen und die man erst findet, wenn man sie sucht. Genau deshalb stehen sie in dieser Karte.
Häufige Fragen
Muss ich ein Leihrad an der Ostsee vorher reservieren?
In der Hauptsaison ja, vor allem für E-Bikes, Kinderanhänger und Lastenräder – davon hat jeder Verleih nur wenige. Außerhalb der Ferien bekommst du fast überall spontan ein Rad. Ein Anbieter auf Hiddensee schreibt sogar ausdrücklich, dass eine Vorbestellung nicht nötig ist. Wer mit Kindern reist, ruft trotzdem besser vorher an.
Kann ich meinen E-Bike-Akku unterwegs kostenlos laden?
Oft ja. In Travemünde steht eine solarbetriebene Ladestation mit abschließbaren Fächern, die rund um die Uhr kostenlos nutzbar ist, in Grömitz und Kellenhusen gibt es Ladeschränke am Tourismus-Service. Sehr viele Ladepunkte sind aber schlicht Steckdosen bei Cafés und Gasthöfen – dort lädst du während der Einkehr und brauchst dein eigenes Ladegerät.
Brauche ich mein eigenes Ladegerät?
Fast immer. Der Tourismus-Service Fehmarn schreibt es in seinem Radflyer wörtlich: Bei vielen Anbietern kannst du auf Anfrage eine Steckdose nutzen, benötigst dafür aber dein eigenes Ladegerät. Echte Ladesäulen mit passenden Steckern für jedes Systeme gibt es an der Küste praktisch nicht. Das Netzteil gehört also in die Lenkertasche.
Wo bekomme ich sonntags einen Fahrradschlauch?
An einem Schlauchautomaten. Belegt sind drei an der deutschen Ostseeküste: bei Connys Fahrradladen in Burg auf Fehmarn, bei Fahrrad Wittstock in Stralsund und am Radladen am Rosengarten in Greifswald. Alle drei verkaufen rund um die Uhr, auch wenn der Laden geschlossen ist. Sonst hilft nur eine Reparatursäule mit Luftpumpe – die ersetzt aber keinen kaputten Schlauch.
Was ist eine Reparatursäule und was kann ich dort machen?
Eine feste Station mit Werkzeug an Stahlseilen und einer Luftpumpe, kostenlos und meist frei zugänglich. Damit ziehst du eine lose Schraube nach, richtest eine Bremse oder pumpst auf. Manche können mehr: Die Stationen in Heiligenhafen haben zusätzlich abschließbare Ladefächer mit Steckdose, in Sierksdorf gibt es Schließfächer gegen einen Euro Pfand.
Darf ich mein Fahrrad auf die Fähre nach Hiddensee mitnehmen?
Ja, aber nur mit eigenem Ticket, und das musst du gleich mitbuchen. Die Reederei weist ausdrücklich darauf hin, dass Fahrräder bei bereits bestätigter Zahlung nicht nachgebucht werden können und dass das Deutschlandticket die Radmitnahme nicht abdeckt. E-Bikes fahren zum normalen Fahrradtarif, Laufräder kostenlos.
Fazit
Die Ostseeküste ist eine gute Radregion, aber sie ist keine, die dir alles hinterherträgt. Ein Rad findest du fast überall. Strom für den Akku findest du, wenn du dein Ladegerät dabeihast und vorher weißt, wo du Pause machst. Und einen Schlauch findest du sonntagabends nur, wenn du ihn selbst eingepackt hast.
Und die Nordsee?
Dieselbe Recherche gibt es inzwischen für die andere Küste: In der Übersicht der Rad-Stationen an der Nordsee stehen über 300 geprüfte Adressen von der Ems bis nach Sylt. Der Vergleich lohnt sich, weil die beiden Küsten unterschiedlich ausgestattet sind: An der Ostsee gibt es deutlich mehr öffentliche Ladepunkte für E-Bike-Akkus, an der Nordsee dafür mehr Reparatursäulen mit Luftpumpe und Werkzeug. Wer mit dem Pedelec plant, hat es hier also leichter.
Wenn du unterwegs auf eine Station stößt, die hier fehlt, oder auf eine, die es nicht mehr gibt: Schreib es in die Kommentare. Ich pflege die Karte weiter, und jede Rückmeldung von der Strecke ist mehr wert als jede Recherche vom Schreibtisch aus. Und jetzt: Reifen aufpumpen, Ladegerät einpacken, los.
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